18.10.2017

Krieg gegen böse Menschen

Aus der im Mai 2017 veröffentlichte umfangreiche Studie des deutschen Luftwaffen-Kompetenzzentrum der Nato (Joint Air Power Competence Centre – JAPCC) mit dem Titel Mitigating Disinformation Campaigns Against Air Power zum Umgang mit Desinformationskampagnen gegenüber der Luftwaffe:
... die Hauptbotschaft, welche die Nato in ihrer Kommunikationsaktivität in den Vordergrund stellen müsse, sei folgende: „Die Nato bekämpft wirklich böse Menschen, die die Menschenrechte verletzen.“
...
Mit der hier wiedergegebenen Argumentation wird jegliche Kritik an der Nato als illegitim diskreditiert, weil sie entweder aufgrund eines anti-Nato Bias, mangelnder Expertise oder wegen des Einflusses von Falschinformationen und Propaganda erfolge. Dem Umstand, dass sich beispielsweise für die Ablehnung der Nato und der Atomwaffenstationierung in Deutschland vernünftige Argumente finden lassen, wird dagegen kein Platz eingeräumt. So wird einer Kritik an der Nato von vornerein jede Berechtigung abgesprochen, bzw. Argumentationsmuster geboten, um diese zu diskreditieren.
...
Anstatt sich mit dem Wahnsinn des Krieges, der sich nicht zuletzt in dessen zivilen Opfern widerspiegelt, auseinanderzusetzen, wird deren Quantifizierung zu bloßen Akten mehr oder weniger erfolgreicher Kommunikationskampagnen heruntergespielt.
...
Gerade das Bemühen um Deutungshoheit spiegelt sich darin, dass Quellen, Informationen und Argumente, die der eigenen Position widersprechen pauschal diskreditiert und als verzerrt, schlecht informiert und durch gegnerische Propaganda oder Falschinformationen beeinflusst abgetan werden. Anstatt sich also argumentativ mit kritischen Positionen auseinanderzusetzen wird versucht diese abzuwehren, um das eigene Narrativ aufrechtzuerhalten. Es ist auch wenig verwunderlich, dass Beispiele westlicher Kriegspropagandalügen in der Studie keinen Platz finden ...

04.10.2017

Planspiele für den Angriffskrieg

Internes Handbuch bereitet die US-Armee auf Krieg mit Russland vor. Am 24. September veröffentlichte die US-amerikanische Fachzeitschrift für Außenpolitik The National Interest auf ihrer Webseite ein als »Nur für den Dienstgebrauch« gekennzeichnetes Dokument einer »Asymmetric Warfare Group« (Studiengruppe für Asymmetrische Kriegführung). Dahinter verbergen sich verschiedene US-Geheimdienste und Planungsabteilungen des Militärs. Es trägt den Titel »Handbuch der russischen Kriegführung der neuen Generation« und analysiert auf knapp 70 Seiten die Fortschritte, die die russischen Streitkräfte seit dem Beginn der Militärreform 2008 gemacht haben. Was die Schrift von eher akademischen Publikationen zu diesem Thema unterscheidet, ist ein ausgesprochen »praxisorientierter« Ansatz: Womit müssten US-Truppen rechnen, wenn sie einen Krieg gegen Russland zu führen hätten? ...
Aus dem »Handbuch der modernen Kriegführung«: »Unsere Einheiten sollten bei der Operationsplanung mit Angriffen auf ihre elektronischen Ausrüstungsgegenstände rechnen. Die Leistung und Zuverlässigkeit von elektronischen Navigationsgeräten wird sich verschlechtern, diese werden den Dienst einstellen oder falsche Daten an den Benutzer weiterleiten, weil der Gegner diese in das System einspeist. Die Manövrierfähigkeit könnte auf nichtelektronische Navigationshilfen (Kompass, Landkarte) oder andere Hilfsmittel reduziert werden, wie sie der einzelne besitzt oder sich verschaffen kann. Dazu können gehören: zivile Landkarten, Atlanten oder örtliche Führer.
Alle Führungsebenen sollten ebenso wie der einzelne Soldat trainieren, Navigationstechniken zu nutzen, die der Feind nicht kontrollieren kann. Die Orientierung an Sonne, Mond und Sternen hat sich über Jahrhunderte als zuverlässige Methode zur Richtungserkennung auf dem Land bewährt und bedarf keiner elektronischen Eingaben. (…) Es gibt aber einige Einschränkungen der Nutzung von Himmelskörpern zur Navigation: Sie setzt Erfahrung und Selbstvertrauen voraus, Irrtümer können die Situation verschlimmern. Auch können Wolken den Himmel bedecken und diese Methoden untauglich machen. Städtisches Gelände bietet andere Orientierungsmöglichkeiten. In einer modernen Gesellschaft gibt es überall Satellitenschüsseln. Die meisten von ihnen sind auf den Äquator ausgerichtet (…) Das kann als Bezugspunkt für die schnelle Orientierung gelten. (…) Eine andere Methode kann sein, Ortsansässige als Führer zu engagieren. Aber diese Methode kann vom Gegner beeinflusst werden und sollte nicht die einzige Datenquelle zur Orientierung vor Ort sein. (…) Fürchten Sie nicht das Chaos, üben Sie es.«
Quelle: https://www.jungewelt.de/artikel/319306.kein-spaziergang.html

11.09.2017

Krieg heute

Gegen Venezuela wurden alle Taktiken des Krieges der vierten Generation angewandt. Besonders seit April lebte das Land unter einem Dauerangriff verschiedener Art und in allen Dimensionen: Wirtschaftskrieg, Kulturkrieg, Krieg der Nachrichtendienste und der Ideen und jetzt auch noch eine explizite des militärischen Krieges.
Betrachtung der Theorie des 4GW am Beispiel Venezuelas. Auszüge aus Manuel Freytas „Guerra de Cuarta Generación“:
Krieg der Vierten Generation (Fourth Generation Warfare – 4GW) ist ein von Analysten und Militärstrategen benutzter Begriff, um die letzte Phase des Krieges in der Ära der Informatik und der globalisierten Kommunikationsmedien zu beschreiben.
Die Theorie des 4GW tauchte 1989 zum ersten Mal auf, als William Lind und vier weitere Offiziere der US-Armee und Marine ein Dokument „The Changing Face of War: Into the 4th Generation“ veröffentlichten, das auch in der Oktoberausgabe der Military Review und der Marine Corps Gazette erschien.
    1. Generation: Auftreten von Feuerwaffen, Konfrontation der Armeen mit Taktiken in Reihen und Kolonnen (Napoleon)
    2. Generation: Industrielle Revolution mit der Möglichkeit, große Mengen an Mensch und Material zu transportieren und über schwere Artillerie zu verfügen. (1. Weltkrieg)
    3. Generation: Neutralisierung des Feindes durch Ausnutzung seiner Schwächen, ohne ihn physisch zerstören zu müssen (Blitzkrieg der deutschen Armee)
    4. Generation: Entwicklung von Technologie und Informatik, Globalisierung der Botschaften und Möglichkeiten zur Beeinflussung der öffentlichen Meinung machen Psychologischen Medienkrieg zur beherrschenden strategischen Waffe des 4 GW. Die Operationen der militärischen Einheiten werden durch Operationen der Medien ersetzt und die psychologische Aktion des Terrors ersetzt die Waffen im Kriegsszenario.
In diesem Krieg ist das Schlachtfeld nicht mehr draußen, sondern innerhalb des Kopfes. Die Operationen laufen nicht mehr über militärische Kolonisierung zur Kontrolle eines Gebiets, sondern über mentale Kolonisierung zur Kontrolle der Gesellschaft.
Die Soldaten des 4GW sind keine Militärs mehr, sondern Experten der Kommunikation und Informatik für Aufstände und Aufstandsbekämpfung, die Militäroperationen durch psychologische Operationen ersetzen.
Die Kugeln der Soldaten werden durch Slogans in den Medien ersetzt, die nicht den Körper zerstören, sondern die Fähigkeit des Gehirns auflösen, eigene Entscheidungen zu treffen.
Das mediale Bombardement mit seinen Slogans zur Zerstörung zielt darauf, das reflektive Denken (Information, Verarbeitung der Information und Synthese) zu zerstören und es durch eine Aufeinanderfolge von Bildern ohne Auflösung in Raum und Zeit (kontrollierte Entfremdung) zu ersetzen.
Die Bombardements der Medien operieren nicht über deine Intelligenz, sondern über deine Psychologie. Sie manipulieren nicht dein Bewusstein, sondern deine Wünsche und unbewussten Ängste.
Jeden Tag, 24 Stunden lang, ist da eine unsichtbare Armee, die auf deinen Kopf zielt. Sie benutzt keine Panzer, keine Flugzeuge und U-Boote, sondern durch Bilder und Schlagzeilen zielgerichtete und manipulierte Informationen.
Die psychologischen Krieger möchten nicht, dass du über die Informationen nachdenkst, sondern dass du Informationen, die nicht miteinander in Verbindung stehen, konsumierst.
Die Schlagzeilen und Bilder sind Raketen der letzten Generation, die die großen Medienketten mit erschütternder Präzision auf dein in ein Operationsgebiet des Krieges der Vierten Generation verwandeltes Gehirn abfeuern.
Manuel Freytas ist investigativer Journalist, Analytiker der Machtstruktur und Spezialist für Geheimdienste und strategische Kommunikation.
Quelle: http://www.nachdenkseiten.de/?p=39989#more-39989


Hunger als Kriegswaffe - von Alex de Waal


Das englische Verb „to ­starve“ bedeutet nicht „verhungern“, sondern „aushungern“, ist also etwas, was Menschen einander antun. Wie Folter oder Mord. Massenhaftes, passives Verhungern, etwa als Folge von Dürre, ist höchst selten geworden; die heutigen Hungerkatastrophen gehen durchweg auf politische Entscheidungen zurück ...

Alex de Waal ist geschäftsführender Direktor der World Peace Foundation.

09.09.2017

Kriegsvorbereitungen nach der Bundestagswahl?

 ---
"Anleitung gegen den Krieg". Von Henrik Paulitz, Taschenbuch, 2. Aufl., 240 Seiten, Akademie Bergstraße, Euro 19,80, ISBN 978-3-981-85250-9
Friedenspolitische Debatten kreisen beständig um die Frage, welche Staaten gut und welche böse sind. Henrik Paulitz geht in der Konfliktanalyse einen neuen Weg. Er betrachtet zunächst, was in Kriegen geschieht, unter anderem auch im ökonomischen Bereich. Er unterstellt, dass das, was in Konflikten systematisch und im großen Stil passiert, beabsichtigt sein könnte. So entsteht wie von selbst aus den Fakten heraus ein neues Bild vom Krieg. Angebliche Kollateralschäden stellen sich als Kriegsziele heraus. Auf der Basis seiner nüchternen und faktenreichen Analyse leitet Henrik Paulitz 59 friedenspolitische Handlungsempfehlungen ab, für Entscheidungsträger ebenso wie für die Bevölkerung. Zusätzlich enthält das Buch "12 Friedenspolitische Übungen" und den Entwurf eines Vertrages zur Bewahrung des Friedens. Die zweite Auflage enthält ein Geleitwort von Clemens Ronnefeldt (Internationaler Versöhnungsbund) und ein "Verzeichnis der Handlungs-Empfehlungen". Der beigeordnete UNO-Generalsekretärs a.D. Dr. h.c. Hans-C. von Sponeck empfiehlt das Buch mit einem Kurzkommmentar.
Quelle: www.akademie-bergstrasse.de/best
"Wesentliche Passagen des Buches habe ich nachfolgend kommentierend ausgewählt und der leichteren Lesbarkeit wegen mit eigenen Überschriften versehen. - Clemens Ronnefeldt, Referent für Friedensfragen beim deutschen Zweig des Internationalen Versöhnungsbundes": https://www.versoehnungsbund.de/2017-cr-03-16
 

01.09.2017

Rüsten, rüsten, rüsten

Zur Durchsetzung ihres Führungsanspruchs rüstet die Bundesrepublik nun gewaltig auf. Der Wehretat steigt seit Jahren und soll weiter anschwellen; Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen hat für die Beschaffung neuen Kriegsgeräts eine Summe von 130 Milliarden Euro genannt. Eine neue "Konzeption der Bundeswehr" steht vor der Fertigstellung, wird aber mit Rücksicht auf den Wahlkampf erst nach der Bundestagswahl veröffentlicht. Einzelne Elemente sind inzwischen bekannt. So wird nicht nur die Zahl der Leopard-Kampfpanzer um fast 50 Prozent auf 320 erhöht; die Bundeswehr soll künftig nicht, wie bisher geplant, 330 Transportpanzer des Typs Boxer zur Verfügung haben, sondern die drei-, vielleicht sogar die fünffache Zahl. Die Luftwaffe soll in die Lage versetzt werden, einen multinationalen Verband zu führen, der bis zu 350 Aufklärungs- und Kampfflüge pro Tag durchführen kann. Die Marine wiederum soll bis zu 15 Kriegsschiffe parallel in Einsätze senden können. Als exemplarisch kann die Beschaffung des Mehrzweckkampfschiffs MKS 180 gelten: Es ist nicht, wie die neue Fregatte F125, in starkem Maß für den Krieg gegen Piraten und Flüchtlinge optimiert, sondern wieder in der Lage, feindliche Kriegsschiffe und Kampfjets auf höchstem Niveau zu bekämpfen.

05.08.2017

Mehr kleinere, taktische Atomwaffen

Auch wenn kürzlich 122 Staaten einen Gesetzesentwurf für einen Atomwaffenverbotsvertrag beschlossen haben, der ab September ratifiziert werden kann, wird dies an dem Wettrüsten und der Modernisierung der Atomwaffen nichts ändern. Vermutlich wird die Schwelle zu einem Einsatz sogar sinken, denn seit Jahren denkt man daran, kleine, so genannte taktische Atombomben nicht nur zu entwickeln und vorrätig zu haben, sondern sie auch einzusetzen. Sie sollen wie konventionelle Waffen verwendet werden und die Schwelle zum Atomkrieg unterschreiten (Mini-Nukes gegen Schurkenstaaten) ... Zwar hat bereits ein Drittel der vorhandenen Waffen ein geringe Sprengkraft und die neuen Sprengköpfe werden sowieso so entwickelt, dass sie variable Ladungen enthalten können. Trotzdem sei es nötig, noch mehr taktische Atomwaffen und entsprechende Trägersysteme zu besitzen, vor allem gehe es um "Lower yield, primary-only options".
Quelle des Berichts: www.heise.de/tp/features/Pentagon-will-mehr-kleinere-taktische-Atomwaffen-3793442.html

01.08.2017

Die neue Militärregierung der Weltmacht USA

"Nachdem in der vergangenen Woche auch der Posten des Stabschefs im Weißen Haus, eines der mächtigsten Ämter in Washington, mit einem General neu besetzt wurde, amtieren in der US-Regierung derzeit drei Generäle. Diese Häufung von Militärs ist in der jüngeren Geschichte des Landes ohne Beispiel und für eine parlamentarische Republik ungewöhnlich. Machtausübung wird in den USA offenbar immer mehr zu einer militärischen Angelegenheit ..."
Quelle: www.nachdenkseiten.de/?p=39405

28.07.2017

Eine Botschaft für die Welt

Der Tod kommt aus Amerika. 100.000 Tonnen schwer. Manchmal hat meine Regionalzeitung, „Die Rheinpfalz“ aus Ludwigshafen, eine wirklich aufklärende Aufmachung. So am vergangenen Montag auf der Titelseite mit diesem Bild und dem Text an der Seite: Stellen Sie sich vor, der russische Präsident Putin würde auf einem Flugzeugträger erscheinen, ihn in Dienst stellen und Ähnliches sagen wie US-Präsident Trump: „Amerikanischer Stahl und amerikanische Hände haben eine 100.000 Tonnen schwere Botschaft an die Welt konstruiert: Amerikas Macht ist allen überlegen, und mit jedem Tag unter meiner Regierung werden wir größer und besser und stärker.“ Albrecht Müller















Quelle: www.nachdenkseiten.de/?p=39369
















30.06.2017

Ein „Teufelskreis von Aufrüstung, Militarisierung und Repression“

Kriegsgewinner: Gibt es Profiteure des Krieges? Natürlich gibt es sie. Und sie verdienen gigantische Summen. Der Journalist Markus Bickel, der gerade ein Buch mit dem Titel „Die Profiteure des Terrors – Wie Deutschland an Kriegen verdient und arabische Diktaturen stärkt“ veröffentlicht hat, zeigt im Interview mit Marcus Klöckner für die NachDenkSeiten auf, welche Dimensionen die weltweite Rüstungsindustrie mittlerweile angenommen hat.
- Unter den Top Ten der größten Rüstungskonzerne der Welt befinden sich ausschließlich Unternehmen aus Westeuropa und den USA. Und auch unter den größten hundert Unternehmen erwirtschafteten Betriebe in Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Belgien, Italien und den Vereinigten Staaten 2015 mehr als achtzig Prozent der Umsätze. Direkt dahinter folgen Firmen aus Russland, Südkorea, Israel und Indien ...
Was die Profite anbelangt, stehen Lockheed Martin, Boeing, Raytheon, Northrop Grumman und General Dynamics ganz oben: Die globalen Top Five erwirtschafteten 2015 fast 16 Milliarden US-Dollar Gewinn ...
Internationalisierung heißt hier, dass man sich mit einheimischen Firmen in Staaten wie Südafrika, aber auch Italien zu Joint Ventures zusammenschließt, also Länder, in denen die Ausfuhrbestimmungen für Militärtechnologie und Rüstungsgüter weitaus weniger strikt gehandhabt werden als in Deutschland. So gelangten von der italienischen Rheinmetall-Tochter RWM Italia produzierte Bomben der MK-80-Serie an die saudische Luftwaffe, die sie wiederum über einem Wohngebiet in Aden abwarf. Und die Rheinmetall Denel (RMD), an der der Mutterkonzern in Düsseldorf 51 Prozent hält, betreibt in den Vereinigten Arabischen Emiraten eine Munitionsfabrik ...
Vier Millionen Barrel Erdöl passieren täglich die Meerenge von Bab al-Mandab an der Küste vor dem Jemen – eine Lebensader der Weltwirtschaft. Die zu verteidigen, ist der deutschen Diplomatie wichtiger als der Einsatz für ein sofortiges Ende der verheerenden Luftangriffe, bei denen in den vergangenen beiden Jahren seit Beginn des Kriegs mehr als 10.000 Menschen getötet wurden. Und durch den anhaltenden Export von Kriegsschiffen an Saudi-Arabien wird die Seeblockade des Jemens sicherlich auch nicht beendet. Dabei ist diese dafür verantwortlich, dass humanitäre Hilfe nicht an die Bevölkerung gelangen kann – obwohl mehr als die Hälfte der 24 Millionen Bewohner diese dringend benötigt ...
Drei Viertel der Profite werden mit der Ware erwirtschaftet, ohne die jeder Krieg zum Erliegen kommen würde: Munition. Diesen Geschäften müssen seitens der Politik Riegel vorgeschoben werden. -

09.06.2017

Europas militärische Leitkultur

Mit der Veröffentlichung eines neuen „Reflexionspapiers“ zur Militarisierung der EU und eines Konzepts für einen „Verteidigungsfonds“ treibt die EU-Kommission die Militarisierung des Staatenbundes voran. Künftig sollen jährlich 1,5 Milliarden Euro aus dem EU-Haushalt für die Rüstungsforschung und -entwicklung bereitgestellt werden; die Gelder sollen als Anreiz dienen, die Rüstungsindustrie EU-weit stärker als bisher zu verschmelzen. Darüber hinaus stellt die Kommission Szenarien für die Militärpolitik zur Debatte, die auf „strategische Autonomie“ zielen und es der EU auf lange Sicht ermöglichen sollen, nicht nur „an der Seite ihrer Hauptverbündeten“, sondern bei Bedarf auch „allein zu handeln“.
Aus dem Bericht auf German Foreign Policy: Nationale Vorbehalte sollten letztlich auch für die Kriege der EU fallen, hat am gestrigen Mittwoch Manfred Weber (CSU), der Fraktionsvorsitzende der Europäischen Volkspartei (EVP) im Europaparlament, verlangt: Künftig sollten "europäische Soldaten durch das Europäische Parlament in den Einsatz geschickt" werden.[9] Man müsse "ein starkes durchsetzungsfähiges Europa" aufbauen, äußert Weber zur Begründung. Begleitend müsse man "ein Bewusstsein für unsere europäische Identität" aufbauen: "Es geht heute nicht mehr um eine deutsche Leitkultur, sondern eine europäische Leitkultur. Diese europäische Leitkultur müssen wir verteidigen und, wenn möglich, global behaupten."
Quelle: www.german-foreign-policy.com/de/fulltext/59613

07.06.2017

Global Peace Index 2017

Die friedlichste Region in der Welt ist Europa, allerdings soll hier der "positive Frieden" abgenommen haben. Gemeint ist damit die optimale Situation für das Gedeihen des "menschlichen Potenzials" ... Wo "positiver Frieden" wie derzeit in Europa zurückgeht, wachsen populistische politische Bewegungen. Das ist das Resümee des jährlich vom australischen Institute for Economics and Peace (IEP) veröffentlichten Global Peace Index 2017 (GPI) ... Nach den Schätzungen des GPI kostete Gewalt 2016 14,3 Billionen US-Dollar, was 12,6 Prozent des globalen BIP entspricht, 3 Prozent weniger als 2015. Ohne Gewalt, so ließe sich denn auch sagen, würde eine der treibenden Faktoren des BIP wegbrechen und das Wirtschaftswachstum schrumpfen. Der Rückgang der Kosten sei durch die geringere Zahl der bei Terroranschlägen getöteten Menschen und geringeren Ausgaben für Friedenssicherung, geringere innere Sicherheit und sinkende Kosten in der Folge von Morden zu erklären. Kriege schlagen nach dem GPI mit 1,04 Billionen US-Dollar zu Buche. Für Friedenssicherung werden gerade einmal 10 Milliarden ausgegeben, also 1 Prozent der Kriegskosten.

05.06.2017

Wandel der Bundeswehr

Wandel der Bundeswehr von der Verteidigungsarmee zur Armee im Einsatz: „... mittlerweile über 100 Todesopfern der Bundeswehr bei Auslandseinsätzen. Die genaue Zahl der durch solche Missionen getöteten nichtdeutschen Bewaffneten und Zivilisten dürfte nicht bekannt sein. Auf einer Kommandeurstagung 2008 stellte der damalige Generalinspekteur Schneiderhan fest, die Bundeswehr sei mittlerweile von einer Verteidigungsarmee zu einer Armee im Einsatz geworden.“

21.05.2017

Kriegskommunikation

Ausschnitte aus der Analyse „Die Welt in Schwarz und Weiß. Die Kriegsberichterstattung seit dem Ende des Kalten Krieges unterteilt die Welt weiterhin in Freund und Feind“ von Kurt Gritsch, auf www.rubikon.news:
Es ist eine Tatsache, dass sich Krieg massenmedial um ein Vielfaches besser verkaufen lässt als Frieden. / Krisen, Kriege und Katastrophen sind also Katalysatoren für nach neoliberalen kapitalistischen Überlegungen arbeitende Medienkonzerne. / Die Welt wissen zu lassen, dass man sich als Medien um sie kümmert, ging und geht einher mit der Attitüde des modernen Journalismus, Schuldige zu suchen um zu bestrafen und zu informieren um zu rächen. / Nicht weniger bedeutend für die Bedrohung der Demokratie ist die Haltung jener Massenmedien, die wie CNN den Journalismus rigoros dem wirtschaftlichen Erfolg unterordnen. / Angesichts der weltweiten Medienkonzentration kann damit im Extremfall ein kleiner Kreis von Leuten über Krieg und Frieden entscheiden ...
Die Inszenierungen, denen Medienkonsumenten ausgesetzt sind, laufen auf folgenden Ebenen ab:
  1. Inszenierung der Politik: Durch Betonung von Mimik, Gestik und Pose soll der Eindruck einer vertrauenswürdigen und starken Persönlichkeit vermittelt werden (46).
  2. Inszenierung der Militärs: Eigene Erfolge und Niederlagen der Gegenseite werden in Medienkonferenzen und selbst produzierten News mit eloquenten „Moderatoren“ (Ex-NATO-Sprecher Jamie Shea) in hoher Frequenz veröffentlicht; Fehler werden bestritten und die Durchführung einer Untersuchung angekündigt mit dem Verweis, dass es mehrere mögliche Erklärungen gebe; Die Wahrheit wird erst nach ein oder zwei Wochen zugegeben, wenn sich kaum jemand mehr dafür interessiert.
  3. Selbstinszenierung der Medien: Aktionismus, „Draufhalten“ und Dauer-live-Reportage täuschen über fehlende Analysen und Hintergrundforschung hinweg; Weil Live-Bilder einer lasergesteuerten Bombe im Moment der Explosion erlöschen, bleiben dem Zuschauer die Folgen vorenthalten, er nimmt Krieg dadurch virtuell und ähnlich wie ein Computerspiel auf; Die Ablehnung des Krieges wird kleiner, Kriegsbegeisterung kann leichter entfacht und instrumentalisiert werden.
  4. Selbstinszenierung einzelner Reporter: Journalisten stellen sich teilweise als selbstlose Helden dar, die wegen der exklusiven Nachricht hohe Risiken eingehen, verschweigen dabei jedoch die Unausweichlichkeit von Selbstzensur und Instrumentalisierung durch eine Kriegspartei ebenso wie die schlichte ökonomische Verlockung (47) oder Notwendigkeit ihrer Arbeit.
Kriegsjournalismus
Galtungs Theorie des Friedensjournalismus steht in der Praxis der Kriegsjournalismus gegenüber. Medien wirken sich dabei aufgrund folgender Merkmale unterstützend auf die Vorbereitung eines Krieges und die Aufrechterhaltung der Zustimmung der Öffentlichkeit aus (14):
  1. Massenmedien übernehmen oft ungeprüft an sie weitergegebene Informationen staatlicher Stellen
  2. in vielen Massenmedien wird gelogen
  3. Massenmedien spiegeln grundsätzlich den parlamentarischen Konsens wider
  4. sie zeigen Beharrungs- und Verstärkungstendenz, sind meist affirmativ, nicht kritisch
  5. sie konstruieren eine ihnen eigene Realität
  6. sie tendieren dazu, Meinung/Nachricht, Politik/Unterhaltung, Aufklärung/Kommerz zu vermischen
  7. besonders im Bereich internationale Beziehungen sind sie ein Substitut für persönliche Erfahrung
Friedensjournalismus
Die Theorie des Friedensjournalismus vergleicht (unkritische) Kriegsberichterstattung mit der Sportberichterstattung: Geht es zwischen zwei Parteien um Sieg oder Niederlage, wird Krieg als unvermeidlich dargestellt und die Sprache des Militärs übernommen, werden Friedensinitiativen weit weniger thematisiert als Gewalt, so bezeichnet Galtung dies als Kriegsjournalismus. Friedensjournalismus soll im Gegensatz dazu Hintergründe eines Konflikts herausarbeiten, mögliche friedliche Lösungen aufzeigen und auf diese abzielen. So sollen vor allem die Opfer beider Seiten gezeigt werden, nicht die Militärs. Medien und Journalisten übernehmen eine Vermittlerrolle, die Berichterstattung soll deeskalierende Funktion haben. Sie basiert im Kern auf vier Forderungen an Medien und Kriegsberichterstatter:
  1. Friedensjournalismus untersucht die Entstehung des Konflikts und stellt Lösungsansätze dar.
  2. Alle Seiten kommen ausgewogen zu Wort, es gibt keine Einteilung in ‚gut‘ und ‚böse‘. Die Lügen aller Beteiligten werden aufgedeckt.
  3. Aggressoren werden benannt, es wird über die Opfer auf allen Seiten gleichermaßen berichtet.
    Konfliktberichterstattung muss früh einsetzen und versuchen, einen Standpunkt einzunehmen, der zwischen den Parteien vermittelt.

05.05.2017

„Initiative gegen falsche Glorie“

„Initiative gegen falsche Glorie“ - Sprecher: Jakob Knab, Weinhausener Str. 6, 87600 Kaufbeuren  Tel. 08341 / 14980  jakobknab@web.de
Mitteilung an die Presse vom 4. Mai 2017:„Die Wehrmacht ist in keiner Form traditionsstiftend für die Bundeswehr.“ Bundesministerin von der Leyen in Illkirch am 3. Mai 2017: „Die Wehrmacht ist in keiner Form traditionsstiftend für die Bundeswehr. Einzige Ausnahme sind einige herausragende Einzeltaten im Widerstand. Aber sonst hat die Wehrmacht nichts mit der Bundeswehr gemein. Und das ist nichts Neues, das ist eine Selbstverständlichkeit in der Bundeswehr. Das ist Allgemeinwissen, das von allen getragen werden muss. Umso fragwürdiger ist, dass…“
Umso fragwürdiger ist, dass es in der Aula der Marineschule Mürwik weiterhin eine Admiral-Johannesson-Büste ausgestellt ist. Noch am 21. April 1945 bestätigte Johannessen die Todesurteile gegen Angehörige der „Widerstandsgruppe Helgoland“; diese Urteile wurden am gleichen Tag in Cuxhaven-Sahlenburg vollstreckt. Die Johannesson-Büste muss neu im WGAZ der MSM aufgestellt werden!
Umso fragwürdiger ist, dass die Kaserne in Appen-Uetersen weiterhin nach Hauptmann Marseille („Stern von Afrika“) benannt ist. Der Völkische Beobachter vom 2. Oktober 1942: „Aber noch in hundert Jahren werden deutsche Jungenaugen leuchten, wenn sie den Namen Marseille lesen.“
Umso fragwürdiger ist, dass die Kaserne in Delmenhorst nach dem Russenpanzerknacker Feldwebel Dirk Lilienthal benannt ist. Auszug aus dem MGFA-Gutachten vom 15. Januar 2013: „Sein militärischer Einsatz diente der gewaltsamen Durchsetzung der rasseideologischen Ziele des nationalsozialistischen Regimes, das vor allem auf dem ost- und südosteuropäischen Kriegsschauplatz den Massenmord an den europäischen Juden, der Vernichtung des ‚jüdischen Bolschewismus‘, betrieb.“[1]
Umso fragwürdiger ist, dass eine Liegenschaft in Munster weiterhin nach dem  „Panzer-Schulz“  benannt ist. Vom Heeresbericht (28. Januar 1944) wurde dieser Kriegsheld als ein „leuchtendes und verpflichtendes Vorbild“ gepriesen.
Umso fragwürdiger ist, dass die Kaserne in Rotenburg (Wümme) weiterhin nach Oberst Lent benannt ist. Am 22. Juni 1944, am dritten Jahrestag des Angriffs auf die Sowjetunion, rief Lent zum Durchhalten auf: „Wir sind in der entscheidenden Phase dieses Krieges angelangt. Durch den Einsatz unserer neuen Waffen ist das Vertrauen nicht nur des deutschen Menschen in der Heimat, sondern auch des deutschen Soldaten an der Front zur Führung und vor allem auch zum Endsieg unerhört gewachsen. Ich bin gewiss, dass der Endsieg nicht mehr fern ist.“ Schon Göring sprach von Lents „unvergänglichem Heldentum“.
Schließlich fordern wir die Überprüfung[2] dieser Traditionsnamen: Fürst-Wrede-Kaserne (München), Emmich-Kaserne (Hannover), Hindenburg-Kaserne (Munster), Rommel-Kasernen (Augustdorf und Dornstadt), Tirpitz-Mole (Kiel), Scheer-Mole (Kiel), Haeseler-Kaserne (Lebach)[3], Mudra-Kaserne (Köln), Thomsen-Kaserne (Stadum).[4]
-
Jakob Knab ist der Gründer und Sprecher der „Initiative gegen falsche Glorie“. In der Vergangenheit war er Referent bei der Antifaschistischen Informations-, Dokumentations- und Archivstelle München a.i.d.a.


1Am 1. April 1966 wurde die Kaserne in Delmenhorst-Adelheide nach Feldwebel Lilienthal benannt. Mit dieser öffentlichen Ehrung durch die Bundeswehr wurde die kriegerische Tüchtigkeit des ehemaligen Unteroffiziers Lilienthal gewürdigt. Denn seine Taten zeugen, so die Begründung für die Namensgebung, „von militärischer Pflichterfüllung und von einer Haltung, die gerade den heutigen Soldaten Vorbild sein könnte“.
[2] http://www.bv-opfer-ns-militaerjustiz.de/uploads/Dateien/Stellungnahmen/Aufruf-WK1-Traditionspflege20140610.pdf
[3] Haeseler an seine Soldaten: „Es ist notwendig, daß unsere Zivilisation ihren Tempel auf Bergen von Leichen, auf einem Ozean von Tränen und auf dem Röcheln von unzähligen Sterbenden errichtet….“ (Fr. W. Foerster, Erlebte Weltgeschichte 1869  – 1953, Nürnberg 1953,  S.  349)
[4] http://www.bv-opfer-ns-militaerjustiz.de/uploads/Dateien/Pressemitteilungen/Neubenennungen-seit-1995JK20170127.pdf

15.04.2017

Kriege werden nicht geführt, um Menschenleben zu retten

Pazifistische Notizen zur militärischen Heilslehre: „Machtstreben ... ist verwoben mit Strukturen der Angst und geht somit zwangsläufig mit einer Vernebelung des klaren Denkens einher ... Ihr Getriebe schmieren die Kriegsprofiteure zu allen Zeiten mit Menschenblut. In ihren Werkstätten wird der Sache nach seit eh und je das Gleiche getan: Man erforscht, wie man möglichst effizient möglichst viele Mitglieder der menschlichen Spezies durchlöchern, zerfetzen, vergiften, verstrahlen ... kann, und produziert die entsprechenden Mordtechnologien ... Wenn die Friedensbewegung im Lande nur über den Bruchteil des PR-Budgets eines einzelnen großen Rüstungskonzerns verfügen würde, wäre die Mehrheit der Werkstätten, in denen man den zigtausendfachen Menschentod für eigene Anwendung und Export produziert, längst geschlossen ... Irgendwie weiß jeder, dass die Militärreligion auch im letzten Vierteljahrhundert nur ein Unheil nach dem anderen bewirkt hat ... Kriege werden nicht geführt, um Menschleben zu retten. Vielmehr nehmen sich die Budgets für Lebensrettung im Vergleich zum Weltrüstungshaushalt wie eine Trinkgeldkasse aus ... Beim Hochrüstungswahn ist auf wundersame Weise immer genug Geld da.“
Aus einem Artikel von Peter Bürger auf www.heise.de/tp/features/Warum-Krieg-3686028.html

09.04.2017

Mobilmachung an allen Fronten


Die rasante Aufrüstung der NATO-Ostflanke ist das wohl sichtbarste Zeichen dafür, dass das westliche Militärbündnis in eine neue Phase eingetreten ist. Doch nicht nur dort hat die NATO damit begonnen, sich deutlich aggressiver aufzustellen, wie in der Broschüre „Die 360°-NATO: Mobilmachung an allen Fronten“ beschrieben wird. Sie wird zusammen von der DFG-VK und der IMI herausgegeben und kann in Print zum Preis von 4 Euro (gebunden, 76S. zzgl. Porto) hier bestellt werden (ab 10 Ex. 3,50 zzgl. Porto): imi@imi-online.de

Wie immer ist die Broschüre auch vollständig im Internet abrufbar: http://www.imi-online.de/download/NATO-Broschuere2016-Webversion.pdf

Die Broschüre soll auch die Mobilisierung für die Proteste gegen den NATO-Gipfel in Warschau unterstützen, die am Freitag den 8. Juli beginnen und bis Sonntag den 10. Juli gehen. Der Flyer mit allen Einzelheiten findet sich hier.